Warum regionale Obstbauern unsere Solidarität jetzt besonders brauchen
Warum regionale Obstbauern und -Bäuerinnen unsere Solidarität jetzt besonders brauchen
Wir haben PlantAge gegründet, weil wir überzeugt sind, dass unser Ernährungssystem gerechter, regionaler und solidarischer werden muss. Jeden Tag erleben wir, wie viel Arbeit, Wissen und Leidenschaft in unseren Lebensmitteln steckt. Gleichzeitig sehen wir aber auch, wie schwer es für landwirtschaftliche Betriebe geworden ist, von ihrer Arbeit zu leben.
Gerade jetzt zeigt sich das besonders deutlich bei den Obstbaubetrieben unserer Region.
Die Kirschbäume hängen voller wunderschöner, reifer Früchte. Eigentlich ein Grund zur Freude. Doch viele Betriebe können ihre Ernte nicht zu einem Preis verkaufen, der ihre Kosten deckt. Tonnenweise Obst bleibt an den Bäumen hängen. Währenddessen liegen im Supermarkt Kirschen aus dem Ausland zu Preisen, mit denen regionale Höfe unmöglich mithalten können.
Für viele Verbraucher:innen wirkt das zunächst wie ein normaler Markt. Tatsächlich steckt dahinter ein System, das seit Jahrzehnten immer mehr Druck auf die landwirtschaftlichen Betriebe ausübt.
Der Handel bestimmt die Spielregeln
Auch wir haben diese Erfahrungen bereits gemacht. Im vergangenen Jahr haben wir versucht über den Bio-Lebensmittelhandel ein finanzielles Standbein für unseren Betrieb aufzubauen. Dabei wurden Waren mehrfach wegen kleinster optischer Abweichungen zurückgeschickt. Zunächst dachten wir, uns fehle einfach noch die Erfahrung.
Inzwischen wissen wir: Es ist kein individuelles Problem, sondern ein strukturelles.
Selbst Obst- und Gemüsebaubetriebe, die seit Generationen wirtschaften und höchste Qualitätsstandards erfüllen, berichten von denselben Erfahrungen. Der Lebensmitteleinzelhandel bestimmt die Preise, setzt die Qualitätsanforderungen fest und trägt dabei kaum das wirtschaftliche Risiko. Dieses Risiko bleibt bei den Erzeuger:innen.
Wenn Preise immer weiter gedrückt werden, geraten Familienbetriebe zunehmend unter Druck und ihre Existenz ist bedroht. Die Profite streicht sich der Handel ein.
Billige Lebensmittel haben ihren Preis
Dass importiertes Obst oft günstiger ist als regional erzeugte Lebensmittel, hat Ursachen. Niedrigere Löhne und prekäre Arbeitsbedingungen in vielen Anbauregionen Europas gehören dazu.
Besonders eindrücklich zeigt das die Dokumentation "Europas dreckige Ernte – Ausbeutung in Almerías Gewächshäusern", die die Arbeits- und Lebensbedingungen vieler Erntehelfer im Süden Spaniens beleuchtet. Sie macht deutlich, dass niedrige Preise häufig auf Kosten der Menschen entstehen, die unsere Lebensmittel produzieren.
Wer die Dokumentation noch nicht kennt, dem empfehlen wir sie sehr.
PODCAST BR: Europas dreckige Ernte - #1 Auf der Suche nach Europas Sklaven
ARTE TV: Das Plastikmeer von Almería
Warum hört man davon so wenig?
Diese Frage haben wir uns selbst oft gestellt.
Im Austausch mit Journalist:innen haben wir den Eindruck gewonnen, dass die wirtschaftlichen Strukturen im Lebensmittelhandel nur selten öffentlich diskutiert werden. Über Ernteausfälle wird berichtet, über Wetterextreme ebenfalls. Doch darüber, wie Marktmacht, Preisdruck und Einkaufspraktiken den Alltag vieler landwirtschaftlicher Betriebe bestimmen, wird deutlich weniger gesprochen. Und das ist bewusst so, denn mit dem Handel möchte sich niemand anlegen und die Bauern und Bäuerinnen haben dafür keine eigene Lobby.
Dabei betrifft genau das die Zukunft unserer regionalen Landwirtschaft.
Solidarität bedeutet mehr als Bio einzukaufen
Als Solidarische Landwirtschaft sind wir von vielen dieser Mechanismen unabhängiger. Unsere Mitglieder ermöglichen durch ihre Beiträge Planungssicherheit und faire Bedingungen für unsere Arbeit.
Trotzdem sind wir Teil derselben Landwirtschaft und stehen in engem Austausch mit unseren Berufskolleg:innen. Wenn Obstbaubetriebe in unserer Region unter Druck geraten, betrifft uns das alle. Denn jede aufgegebene Obstplantage bedeutet ein Stück weniger regionale Versorgung, weniger Artenvielfalt und weniger Zukunft für unsere Landwirtschaft.
Deshalb möchten wir dort unterstützen, wo wir können.
Mit unserer Obstzeit kaufen wir Obst direkt von regionalen Betrieben zu den Preisen ein, die sie für ihre Arbeit benötigen. Wir handeln diese Preise nicht herunter. Denn hinter jedem Kilogramm Obst stehen unzählige Arbeitsstunden, hohe Investitionen und oft die Existenz ganzer Familienbetriebe.
Natürlich verändert das nicht das gesamte System. Aber es ist ein konkreter Beitrag, der dort ankommt, wo er gebraucht wird.
Und genau darum geht es bei Solidarität.
Vielen Dank an alle, die mit ihrer Mitgliedschaft bei PlantAge zeigen, dass Lebensmittel mehr sind als eine Ware. Auch wenn eine Gemüsekiste im Alltag manchmal Planung erfordert oder nicht immer der bequemste Weg ist – gemeinsam schaffen wir eine Landwirtschaft, die regionale Betriebe stärkt, faire Preise ermöglicht und Verantwortung für Mensch und Natur übernimmt.
Wir sind überzeugt: Die Wirkung dieser Entscheidungen wird oft erst Jahre später sichtbar. Deshalb machen wir weiter!