Winter, Frost und volle Lager – ein ehrlicher Blick auf unsere aktuelle Erntesituation

Winter, Frost und volle Lager – ein ehrlicher Blick auf unsere aktuelle Erntesituation

In den letzten Wochen standen wir auffallend oft auf dem Feld, haben auf den Boden geschaut und gedacht: Das hatten wir so noch nie. Der Boden ist seit Wochen durchgehend gefroren. Der Lauch steht da, erntereif, und wir kommen einfach nicht ran. Der Topinambur ist fest im Boden eingeschlossen. Und während draußen alles still wirkt, sehen wir gleichzeitig im Lager die großen Kisten voller Kartoffeln, Zwiebeln und Knollensellerie.

Es fühlt sich gerade ein bisschen widersprüchlich an. Einerseits eine richtig reiche Ernte einzelner Kulturen. Andererseits Wintergemüse, das sichtbar abbaut, weil der Frost einfach nicht nachlässt.

Viele von euch wissen: Wir rechnen im Winter fest damit, euch aus den Tunneln frischen Salat anbieten zu können. Das klappt normalerweise sehr zuverlässig. Dieses Jahr stehen dort kleine, trockene Pflanzen, denen schlicht Wasser fehlt. Die Leitungen sind gefroren, wir können nicht bewässern. Sobald die Sonne scheint, verlieren die Pflanzen Feuchtigkeit, können aus dem gefrorenen Boden aber nichts nachziehen. Dazu kommt die anhaltende Trockenheit.

Auch draußen auf dem Feld sehen wir, wie sehr dieser Winter den Kulturen zusetzt. Postelein, Spinat, Rosenkohl, Grünkohl, Wirsing und Lauch vertragen Minusgrade. Aber nicht über einen Zeitraum von inzwischen mehr als fünf Wochen. Einen ganzen Satz Wirsing mussten wir bereits aufgeben. Vom Grünkohl ist etwa die Hälfte braun geworden. Den letzten Rosenkohl ernten wir gerade noch. Und der Porree steht seit sieben Wochen erntereif da, ohne dass wir ihn bergen können.

Gleichzeitig merken wir im Lager: Im Rückblick hätten wir uns mehr Rote Bete, Möhren, Kohlrabi und Chinakohl gewünscht statt der sehr großen Kartoffelmenge. Diese Woche gibt es nun die letzte Rote Bete. Für etwas Abwechslung sorgen Möhren vom Biohof Zielke. Zwiebeln, Knollensellerie und Kartoffeln sind hingegen weiterhin reichlich vorhanden.

All das führt dazu, dass es uns aktuell nicht leichtfällt, die Kiste so abwechslungsreich zu gestalten, wie wir es selbst gerne hätten.

Warum wir euch das so offen erzählen

Unser Anspruch ist es, Landwirtschaft transparent zu machen. Dazu gehört auch, ehrlich zu zeigen, wo Planung an ihre Grenzen stößt. Wetterextreme, Frostperioden und Trockenheit lassen sich nicht exakt kalkulieren.

Für die kommende Saison denken wir deshalb intensiv darüber nach, bewusst weniger Übermengen einzelner Kulturen zu produzieren, gezielt ergänzend zuzukaufen und durch Kooperationen mit anderen Betrieben mehr Sicherheit und Vielfalt in die Kiste zu bringen. Dazu wird es in dieser Woche auch eine Umfrage geben. Eure Rückmeldungen sind für uns dabei sehr wertvoll.

Was ihr jetzt beachten könnt

Bitte holt euer Gemüse möglichst zeitnah ab und lagert es nicht über Nacht in den Verschlägen. Besonders Kartoffeln vertragen keinen Frost.

Und eine kleine praktische Bitte: Wenn ihr noch leere Kisten zu Hause habt, bringt sie gerne zurück.

Solidarität heißt auch, diese Phasen gemeinsam zu tragen

Solche Situationen gehören zur saisonalen und solidarischen Landwirtschaft dazu. Gerade jetzt wird sichtbar, was dieses Modell bedeutet: Wir wirtschaften nicht nach Supermarktlogik, sondern im Einklang mit natürlichen Bedingungen. Und die sind nicht immer planbar.

Umso dankbarer sind wir für euer Verständnis, eure Unterstützung und eure Verbundenheit.

Und falls ihr Menschen kennt, die schon länger überlegen, Teil einer Solawi zu werden: Wir haben aktuell noch freie Ernteanteile. Gerade jetzt ist ein guter Moment einzusteigen und dieses besondere Landwirtschaftsmodell mitzutragen.

Danke, dass ihr diesen Weg mit uns geht.

Frederik Henn